Winters Tränen

Als letztens mal wieder so viel Sonne in den Vorlesungsraum schien und man nichts auf den Beamern erkennen konnte entstand mal wieder ein Gedicht. Außerdem bekommen immer noch kaum Dozenten die Mikros zum Laufen….

Naja, immer noch besser ein Gedicht zu schreiben als – wie so viele andere – einfach die Vorlesung zu verlassen. Weil das stört dann auch noch die anderen, wenn eine ganze Reihe aufstehen muss, um einen Studenten raus zu lassen. Und ich hab mich ja nur ca 15 Minuten abgelenkt. 

 

Als Winters kalte Tränen schmelzen
weiß der Mensch nicht, was er tut.
Er beginnt sich nachts zu wälzen,
bis er erstickt die heiße Glut.

Am Morgen dann ist viel vergessen,
was er erlebt in jener Nacht.
Er versinkt im Alltag, lässt sich fressen
von Aufgaben, die er später macht.

Und ist sein Geist doch unruhig noch,
wälzt sich hin und fällt daher;
und dann vergeht er in schwarzem Loch.
Der Menschen Körper wird kalt und leer.

Leben tun sie schon nicht mehr;
nur existieren für ihr Lob.
Um niemand andren sie sich schern
bis jemand dann ihr Herz aufhob.

Nun erst tauen des Winters Tränen,
kalt und starr waren auf dem Herz.
Und dann erst können Menschen wähnen,
dass er vergeht, der ewige Schmerz.

Sie sind jetzt bloß verzaubert,
gehorchen dem, der ihr Leiden barg.
Dessen Leben ist des ihren Wert;
dafür legen sich in den eigenen Sarg.

So geschiehts den meisten Menschen,
auch ich bin davon nicht befreit.
Da finden und glauben ihn zu kennen
und doch ist jener Held so weit -

Weit entfernt um ihn zu fassen
und zu halten am eigen Herz.
Man lässt ihn gehen unter die Massen,
was einem bleibt: Gedanken, Schmerz.

Das ist der Zauber von Winters Tränen
der kalt und starr den Menschen beißt.
Bis dieser beginnt sich nach dem Herz zu sehnen
und die Trauer und Pein ihn endgültig zerreißt.

Lohnt sichs noch ohne Sinn zu leben,
zu sein nur für den Stillstand noch?
So mag sich mein Herz wie ein Engel erheben
und ich sink in tiefe Höllen doch.

Für eine Nacht voll geschmolzener Tränen,
einen Tag voll heißer Sonnenglut,
einen Morgen im Frühling zu sehen
erforderts das Herz zu ergreifen voll Mut. 

© nasuka

~ von nasuka - 14. Mai 2009.

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