Frieden finden
Es ist eine Floskel, die uns in heutiger Zeit noch viel geläufiger ist als früher. Nein, wenn man ehrlich ist, war es früher ein Wunsch.
In ganz frühen Zeiten hatte man Engel oder bei anderen Religionen Geister und ähnliches, die den Frieden zu den Menschen brachten. Sie gaben ihn ihnen und die Menschen beteten sie dafür an und dankten den Wesen. In späteren Zeiten änderte sich diese Ansicht und man suchte den Frieden in sich selbst, was bis heute noch Brauch ist. Frieden war auf einmal von etwas geistigem zu der Befriedigung körperlicher Nöte geworden.
Nicht mehr in Kriege als Ritter, Soldat oder was immer ziehen zu müssen, nicht mehr auf der Straße um Essen oder gegen Krankheiten kämpfen zu müssen, in seinem Lädchen nicht mehr um jedes Produkt feilschen oder um Steuereintreiber fürchten zu müssen. Im Grunde wollte man einen ruhigen Lebensabend (erreicht durch Geld eintreibende Kinder) und ein friedliches Entschlafen als Tod.
Sogar Wikipedia bezeichnet den Frieden als Auslebung von Ruhe:
Frieden (älterer Nominativ: Friede) ist allgemein definiert als ein heilsamer Zustand der Stille oder Ruhe, als die Abwesenheit von Störung oder Beunruhigung. Frieden ist das Ergebnis der Tugend der „Friedfertigkeit“ und damit verbundener Friedensbemühungen.
Heute ist so ein Wunsch nicht mehr erreichbar und wir wünschen uns mehr denn je unseren Frieden zu finden. Kein Wunder eigentlich. Wir leben in einer Zeit der Zeitnot und Hetze. Jeder hat sicherlich einmal den Wunsch sich fallen zu lassen und die Ruhe zu genießen.
Da wir diese Wünsche nicht mehr so einfach erfüllen können, versuchen wir uns Frieden anders zu schaffen. Manche Menschen mit guten Weinen, andere mit Tee oder Kaffee, ganz andere einfach damit sich die Zeit zu nehmen, sich hinzulegen und ein Buch zu lesen. Aber selbst dafür fehlt uns mittlerweile die Zeit. Aber man wäre ja nicht Mensch, wenn man dem nicht abhilfe schaffen könnte. So erfindet man Hörbücher, damit man sich nicht mehr stundenlang hinlegen oder setzten und lesen muss (und nebenbei andere Dinge tun kann), Lampen, die das Tageslicht simulieren, weil man die ganze Zeit am Arbeiten in Bürokomplexen oder am Studieren in Vorlesungssälen ohne Fenstern sitzt und die Sonne nur mal 5 bis 10 Minuten auf dem Weg zu selbigen Gebäuden sieht. Aber der Mensch braucht die Sonne, um glücklich und wach zu sein und seine innere Mitte (den Frieden) zu finden.
Da stellt sich nur die Frage, ob uns all diese Hilfsmittel tatsächlich glaubhaft simulieren können, um den Körper und den Geist zu täuschen. Können wir überleben und unseren Frieden in der Ruhe finden, wenn wir selbst die Ruhe nur simulieren? Oder ziehen wir es da doch vor, uns mal tatsächlich Ruhe zu gönnen und all die Hilfsmittel abzuschalten? Wie auch immer wir es bewerkstelligen, der Alltag holt uns früh genug wieder ein. Und somit auch unser abgehetztes Leben.
Ewige Ruhe finden wir nur noch im Tod, so stellen wir es uns zumindest vor. Als genau das, was wir in Lebzeiten nicht erreichen können. Dadurch hat der Tod für uns etwas Gutes und wir haben weniger Angst.
Aber was ist nun dieser Friede? Man muss ihn doch auch im Leben finden können. Und es gibt Menschen, die genau das erreichten, aber jeder muss seinen eigenen Weg finden. Manche erreichen es durch Meditation, andere durch was auch immer.
Aber für manche Menschen wie mich ist die endgültige Ruhe der Tod. Sie können nicht ohne Gefahr, Ungewissheit oder Aufregung leben. Sie streben den ewigen Frieden nicht bewusst an, aber in jedem Menschen ruht auch das Verlangen nach Sicherheit, Schutz und Ruhe. Jene Menschen stehen ab diesem Zeitpunkt in ständigem Konflikt und müssen sich nun für die angeborenen Instinkte des Menschseins oder ihr Wesen entscheiden. Aber so eine Entscheidung ist nicht ewig, denn beide Teile gehören zu ihnen und manchmal bricht das, wogegen man sich entschieden hat, wieder aus und man fragt sich in diesem Moment, wie man so nur sein Leben leben konnte. Es ist ein Fluch, denn man stellt sich immer selbst in Frage.
Letztendlich ist es aber wohl eine Art Schutzmechanismus, denn der Geist des Menschen benötigt irgendwann einfach mal den lang erwarteten Frieden. Es ist wohl besser diesen nicht erst im Tod zu finden.


Ich denke mal, das jeder Selbst eine gewisse Art von Frieden finden kann, auch wenn er noch lebt.
Es ist individuell, einige finden ihren Frieden, wenn sie Sport treiben und sich müde und erschöpft fühlen. Manchen Menschen gibt das Frieden (bzw. Zufriedenheit – ist dass das gleiche?).
Anderen Menschen bringt das Allein sein auch Frieden. Ich selbst habe das Gefühl, das ich genau so ein Mensch bin. Wenn ich allein bin, kann ich meinen Frieden finden, weil ich Ruhe habe und selbst bestimmen kann, was sich um mich herum abspielt.
Der wirkliche endlose Frieden kann erst mit dem Tod gefunden werden, das stimmt, aber wenn man zu seinen Lebzeiten nicht etwas Frieden finden kann, ist es doch so, als ob man nur ein Ding wäre, was sich Tag für Tag den Arbeiten hingibt, die einem zugeteilt sind.
Und solange man von diesen Arbeiten ausbrechen kann und die Form seines eigenen Friedens ausleben kann, ist man doch noch kein Ding, oder?
Mach das nicht erst das Mensch-Sein am Ende aus? Dieses ausbrechen und durchsetzen des eigenen Willens, um Frieden zu finden?
Bea schrieb dies am 29. April 2009 um 09:20 vormittags
Habe gerne Deinen Eintrag gelesen und stelle hier mal ein GEdicht von mir ein.
Frieden ist ein Zustand
Frieden kennt das Kämpfen nicht
friedlich ist er gut und licht
hell und freundlich sanft und bunt
gegensatzlos herrlich rund
einer zarten Woge gleich
herrlich wärmend satt und weich
Du kannst mich haben
jetzt und auf der Stelle
wenn du mich willst
durchdring ich dich
wie eine zarte Welle
© giocanda
Die letzte Strophe würde dem entsprechen, was Bea sagt, man muss ihn haben wollen. Gruß giocanda
giocanda schrieb dies am 16. Mai 2009 um 14:03 nachmittags