Auszug eines ganz normalen unnormalen Tages

Erinnerungen an einen Tag, der, vor nicht allzu langer Zeit, genau so und genau mir passiert ist:

Es ist ein wunderschöner, verschneiter Tag. Es ist Dienstag. Mittag. Der Morgen begann mit dem Gang in die Uni und der ersten Vorlesung. Dann eine Übung, Mittagessen und noch eine Vorlesung. Mittlerweile ist es kurz vor vier.
Langsam aber sicher packen wir unsere 7 Dinge zusammen (Laptop, Stromkabel, Mehrfachsteckdose, 2. Mehrfachsteckdose, Kaffeetasse, Taschen und Jacken / Mäntel) und machen uns auf den Weg. Den Weg in die schönste Vorlesung des Tages: GDI 3 (Grundlagen der Informatik 3).

Erstmal raus in die Kälte und dann wieder rein ins Warme: ins Audimax. Ihr erinnert euch sicher: dieser Fehlschlag eines Architekten gepaart mit der Farbenfreude der neuen Sommermode. Genau, wir betreten den großen Hörsaal und was schlägt uns entgegen (oder eher um)? Genau, die giftgrüne Farbe der Wände und die hellbraunen Schuhabdrücke der feuchten Schuhe auf dem graphitgrauen Plastikfußboden, der den ganzen Raum bedeckt.
Wir schauen nach vorne, noch ist kein Dozent da. Langsam aber sicher gehen wir den schiefen Gang zwischen den Tischen entlang und biegen die erste Kreuzung links nach oben ab. Nach ein paar Tischreihen biegen wir nochmals in eine der hinteren Reihen ein und setzen uns. Eine Kommilitonin hinter mir sagt passend: „Sie haben ihr Ziel erreicht!“.

Wir setzten uns und packen Laptop und Stromkabel wieder aus. Zweiteres packen wir gleich wieder ein, denn: es gibt ja keine Steckdosen. (3 der mir folgenden Kommilitonen machen lange Gesichter und setzten sich mit hängenden Köpfen) Die Laptops werden aufgeklappt und hochgefahren. Der nächste Rückschlag: kein WLAN. Nun bin auch ich an der Reihe und mache ein trauriges, entnervtes Gesicht. Was kann eigentlich noch schiefgehen?

Wieso frage ich eigentlich?
Genau in diesem Moment betritt der Dozent den Raum. Sicher, es wäre eine Chance von 2 zu 200 gewesen, dass der haltende Professor selbst den Raum betritt. Aber nicht einmal dessen Assistent baut vorne sein Notebook auf. Nein, es wird ein modernes Medium eingesetzt: Der Assistent des Assistenten.
Ja, so wie mittlerweile viele Menschen zu einem Zweitbuch tendieren, der Prof tendiert zu einem Zweitassistenten und der ist dem ersten untergeordnet.

Langsam und voller Unmotivation packt er sein Notebook aus und knallt es auf den Tisch. Es ist Ruhe im Raum. Er dreht sich um und wischt die Tafel. Das Geschwätz und die Geräuschkulisse hebt wieder an. Er dreht sich wieder um. Die Geräusche bleiben. Er beäugt den Beamer mit einem kritischen blick und tritt dann beiläufig gegen dessen Konsole. Es wird wieder still im Saal. Er blickt zufrieden in die Runde und beginnt zu reden:

„Wieso hört ihr auf mich, wenn ich Technik zerstöre, versuche ich aber konstruktiv zu sein, so straft ihr mich mit Missachtung?“

Alles schaut ihn staunend an. Er erwidert unsere Blicke und meint:

„Ach, das erstaunt euch jetzt, aber dass ich den Beamer zerlege, das findet ihr normal. Sehr interessant…“

Er dreht sich wieder zu seinem Notebook und startet die Folien. Schaut sie sich kurz an und bemerkt, dass er nicht weiß, was er uns dazu nun erzählen soll. Aber er versucht es einfach mal.

Den Rest der Vorlesung hängen die Augen aller 30 Menschen, die den Vorlesungssaal für 800 füllen an den Lippen des 2. Assistenten. Er hat das unmögliche geschafft. Nachdem der Prof es geschafft hat ca. 200 Menschen aus dem Raum zu ekeln (damals noch das Zelt) hat dieser Assistent es ohne Vorwissen geschafft die restlichen 30, die sich Tag für Tag in diese Vorlesung quälen an den Raum, den Stoff und vor allem: seine Vorstellung, zu fesseln.

Als die Vorlesung vorbei war, waren sogar noch alle 30 da. Es schauten manch andere gespannt zur Tür hinein und – man glaubt es kaum – die Zeit verging wie im Flug.

Wir packten erneut unsere Dinge, wobei.. den Laptop und das Kabel haben wir ja zu Beginn schon wieder weggesteckt, schlüpfen in unsere Jacken und Mäntel, schultern unsere Taschen und verlassen den giftgrünen Vorlesungssaal. Im Nachhinein war es das erste Mal, dass die Farbe nicht gestört und ständig in die Augen gestochen hat. Und noch etwas war anders: Man glaubt es kaum, aber diesmal verließen keine Beschwerden und Gezeter den Raum sondern Lobeshymnen und sie hielten sogar noch den ganzen Weg nach hause (ins Piloty) an.

In diesem Sinne: Vielen Dank an den 2. Assistenten, der uns die Freude und Motivation an GDI 3 wieder gegeben hat.

~ von nasuka am 30. Januar 2009.

3 Antworten to “Auszug eines ganz normalen unnormalen Tages”

  1. PERVERS !!!
    Freude und Motivation mit GDI 3 in einem Satz zu nennen *schock* :P

    Gruß
    HD

  2. Du hast den Assistenten doch nie erlebt… der hat das wirklich gut gemacht.

  3. Volle Zustimmung.
    War die beste Vorlesung bis jetzt. :D

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