Ein weiteres Thema, was mir irgendwie nicht aus dem Kopf gehen will ist folgendes. Ich habe letztens ein Buch wieder ausgegraben, was ich lange Zeit nicht mehr in Händen hatte. Wohl schon seit meiner Kindheit nicht mehr. Damals mochte ich das Buch sehr, aber jetzt glaube ich, ich habe damals nicht verstanden, was die eigentliche Lehre ist, die man aus diesem Buch ziehen sollte.
Es ist ein Kinderbuch (so sagte mir zumindest die Verkäuferin im Buchladen), aber es werden Themen aufgegriffen, die man als Kind vielleicht noch nicht so versteht. Ich rede von dem Buch „Der kleine Prinz“.
Itari nannte mich früher schon einmal dem Fuchs aus diesem Buch ähnlich, aber da hatte ich die Stelle nicht mehr in Erinnerung. Jetzt, nachdem ich das Buch wieder gelesen habe, weiß ich, was er meinte und ich stimme ihm zu. Vielleicht bin ich tatsächlich so. Aber ist das noch zeitgemäß? Oder können manche Bräuche nicht aus der Mode kommen?
Der Fuchs aus dem Buch wünscht sich, dass der kleine Prinz ihn zähme, damit er ihn sich vertraut mache. Denn solange er noch ungezähmt sei, so sagt er, wäre er nur einer unter tausenden von Füchsen und würde nicht wiedererkannt. Er ginge in der Menge unter, weil er nichts besonderes sei. Aber wenn ihn der Prinz zähme, so wäre er für diesen etwas besonderes. Ein einzigartiger Fuchs unter tausenden von gleichen Füchsen.
Aber so etwas gibt es heutzutage nicht mehr, so kommt es mir zumindest vor. Man lernt so viele Menschen pro Tag kennen und hat, wenn man sie nicht zwischendurch wieder sieht, nach einer oder zwei Wochen deren Namen schon wieder vergessen. Sie gehen in der Menge der Menschen unter, weil sie für einen nichts besonderes sind.
Andere Menschen, die man tagtäglich wieder sieht, erkennt man auch wieder und deren Namen merkt man sich auch, aber etwas einzigartiges sind sie trotzdem noch nicht. Weil auch wenn man einen Menschen jeden Tag sieht und grüßt, bedeutet das nicht, dass man diesen Menschen auch kennt, dass man ihm vertraut und dass man ihm vertraut ist.
Auch Menschen, die wir Freunde nennen sind uns mittlerweile nicht mehr immer vertraut. Man kennt nur kleine Facetten ihrer Persönlichkeit und merkt immer wieder, dass man sie eigentlich gar nicht kennt. Man nimmt sich nicht mehr die Zeit Menschen kennen zu lernen, bevor man sich als befreundet schimpft, denn wir haben ja gar keine Zeit mehr für so etwas. Obwohl das sehr wichtig ist in meinen Augen. Wenn man niemandem vertraut ist, dann geschieht das, wovon der Fuchs sprach: Alle Menschen werden gefühlt gleich, es gibt keine Einzigartigkeit mehr, weil man sie einfach nicht kennt. Man kann zwar selbst einzigartig sein, in dem, was man kann, was man tut, wie man ist, wer man ist und so weiter, aber wenn es niemand registriert, dann hebt man sich auch nicht von der Menge ab.
Wäre es da nicht besser sich doch mal die Zeit zu nehmen, sich mit jemandem vertraut zu machen und wenn es nur dafür ist, dass man hinterher sagen kann: Wenigstens für einen anderen Menschen bin ich einzigartig?
Nun, sicher, das Wort zähmen dafür mag veraltet sein, aber das heißt noch lange nicht, dass die Philosophie dahinter es auch ist und man sie nicht weiter praktizieren kann.
Es lebt sich leichter, wenn man Vertraute hat, so zumindest meine Meinung und ich finde, man kann durchaus die Zeit opfern, die man dafür braucht, denn der Mensch braucht Freunde und Bekannte, und Vertraute bleiben normalerweise länger bei einem, denn auch sie sehen in einem dann jemand Einzigartigen.
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